Entwicklung und Manifestation von Weisheit

Weisheit ist ein wachsendes Forschungsthema in der aktuellen Psychologie, vermutlich aufgrund des generell steigenden Interesses an positiven Aspekten des höheren Alters im Lichte der aktuellen demographischen Entwicklungen. Bisher hat die psychologische Weisheitsforschung sich darauf konzentriert, (a) Laientheorien über das Konstrukt Weisheit zu untersuchen, und (b) standardisierte Methoden der Weisheitsmessung zu entwickeln. Nur wenige Studien haben Weisheit im Kontext des "wirklichen Lebens" untersucht: Wie entwickelt sich Weisheit - welche Voraussetzungen, Erfahrungen und Arten der Reflexion von Erfahrungen fördern die Entwicklung von Weisheit? Und wie manifestiert sich Weisheit in realen Lebenssituationen - wie gehen weise Menschen mit Lebensproblemen wie traumatischen Ereignissen oder schwierigen Konflikten um? Die Beschäftigung mit diesen Fragen könnte wichtige Erkenntnisse sowohl über Weisheit als Konstrukt als auch über Möglichkeiten ihrer Förderung erbringen und neue Wege der ökologisch validen Messung von Weisheit eröffnen. In diesem Projekt postulieren wir vier Ressourcen, die wir als zentral in der Entwicklung und Manifestation von Weisheit betrachten: Offenheit für Erfahrungen, Emotionsregulation, Selbstwirksamkeit und eine reflexive Grundhaltung. Wir testen dieses Modell und erproben einen neuen Messansatz, indem wir Personen untersuchen, die von anderen als weise nominiert werden und aktuelle Messstandards erfüllen. Diese weisen Personen sowie eine gleichaltrige und eine junge Kontrollgruppe werden über ihre Lebensgeschichte und einen schwierigen Konflikt in ihrem Leben interviewt. Der lebensgeschichtliche Teil des Projekts konzentriert sich auf fundamentale Lebensveränderungen, d.h. Ereignisse, die große Auswirkungen auf die Lebenssituation und -prioritäten der TeilnehmerInnen hatten. Wir erwarten nicht, dass weise Personen mehr solche Ereignisse berichten als Kontrollpersonen, aber dass sie andere Arten des Umgangs mit diesen Ereignissen und ihrer späteren Integration in die Lebensgeschichte zeigen. Insbesondere erwarten wir, dass weise Personen mehr Offenheit für Lebensveränderungen, erfolgreichere Emotionsregulation, eine höhere wahrgenommene Selbstwirksamkeit im Umgang mit den Ereignissen, mehr Reflexion sowie mehr Lernen und Wachstum zeigen als Kontrollpersonen. Mit Hilfe der Konflikterzählungen soll einerseits untersucht werden, wie weise Menschen mit interpersonellen Konflikten umgehen, andererseits soll die Verwendbarkeit solcher Berichte als neuer Ansatz der Weisheitsmessung erprobt werden. Aktuelle Messansätze basieren entweder auf Selbstbericht (und sind damit offen für bewusste und unbewusste Verzerrungen) oder auf fiktiven Lebensproblemen, die emotionale Aspekte von Weisheit nicht ansprechen. Konfliktberichte erfassen zentral auch emotionale und interpersonale Komponenten von Weisheit und können sowohl anhand von Kriterien aus anderen Weisheitsmodellen als auch anhand unserer vier Weisheitsressourcen ausgewertet werden. Wir erwarten für Weisheitsscores aus Konfliktberichten bessere Übereinstimmung mit Vorhersagen aufgrund von Laientheorien, etwa bezüglich höheren Alters als einer typischen Eigenschaft weiser Menschen, als dies für bisher vorliegende Weisheitsmaße der Fall ist.

Beginn
Ende
Finanzierung/Auftraggeber
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Projektpartner

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