aDeM - neue Wohnformen für an Demenz erkrankte Menschen

Eine Kooperation zwischen Diakonie de La Tour Kärnten, Nussbaum Demenzkompetenzzentrum, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (2017-2019)

Das Altenwohn- und Pflegeheim St. Peter in Klagenfurt wurde im Juli 2012 eröffnet. Von Beginn an lag das Hauptaugenmerk des Hauses auf der Betreuung von Menschen mit Demenz. Ziel dieser Spezialisierung sowie des derzeit durchgeführten Projektes aDeM ist eine hohe Lebensqualität der Bewohner_innen und bestmögliche Bedingungen für ein würdevolles und begleitetes Altern im Pflegeheim. Dabei werden Wege gesucht, welche Mitarbeiter_innen und zu Betreuende gemeinsam gehen, und damit Begegnungen auf Augenhöhe ermöglichen und qualitätsvolle Beziehungen mit an Demenz erkrankten Menschen zulassen.

Ziele des Projektes aDeM sind:

  • Nachbarschaft und Zusammenleben nachhaltig weiterzuentwickeln
  • räumliche und wohnliche Strukturen zu schaffen, die dem Grad der demenziellen Erkrankung und den damit verbundenen Herausforderungen und Möglichkeiten entsprechen, also Strukturen, die es den  Bewohner_innen erlauben so zu leben wie sie wollen
  • im Stadium schwerer Einschränkung durch die dementielle Erkrankung das Wohlbefinden der Betreffenden in den Vordergrund zu stellen und zu ermöglichen, dass die Umwelt sich auf die Beeinträchtigungen einstellt; dies wird hier durch die vorbereitet Umgebung der „Oase“ sichergestellt, in deren offenem Raum mehrere Bewohner_innen gemeinsam leben, unabhängig von traditionellen Routinen und (Tages)Rhythmen einer Institution Pflegeheim

Um diese Ziele schrittweise umzusetzen, werden auf organisatorischer aber auch baulicher Ebene weitreichende Veränderungsprozesse umgesetzt. In den Wohnbereichen müssen die Bedürfnisse aller Bewohner_innen berücksichtigt werden können. Es soll möglich sein, die je eigenen Bedürfnisse leben zu können, in dem je eigenen Rhythmus, gewährleistet durch das emanzipatorische und auf individueller Pflege basierende Konzept und empathische und qualifizierte Mitarbeiter_innen, sowie angepasste Wohnumgebungen.

Einige Kernpunkte des Konzeptes stammen aus dem europaweit bekannten Pflegeheim „Sonnweid“, das im deutschsprachigen Raum als einer der Vorreiter in der Pflege und Begleitung von an Demenz erkrankten Menschen gilt. Das Konzept baut u.a. darauf, die Bewohner_innen nicht mit Defiziten zu konfrontieren, sondern vielmehr in den Vordergrund zu stellen, was an Handlungsmöglichkeiten vorhanden ist. Dadurch soll „Normalität“ gewährleistet werden sowie ein offener Umgang mit- und untereinander.

Die einzelnen Wohnbereiche werden hin zu einer segregativen Wohnform umstrukturiert, d.h. Bewohner_innen mit ähnlichem Grad an Schwere der demenzielle Erkrankung leben gemeinsam in der jeweiligen Wohngruppe. Dadurch kann vielen Konfliktsituationen vorgebeugt werden und noch besser individuelle Pflege und Begleitung realisiert werden, sowie auch die baulichen Voraussetzungen besser auf die jeweiligen Bewohner_innen abgestimmt werden.

Die Organisation und strukturellen Veränderungen hin zu den erforderlichen Betreuungs- und Wohnformen führen zu einer Veränderung der Abläufe im Haus. Aufgabe des Projektes sowie dessen wissenschaftlicher Begleitung ist es, die notwendigen Prozesse entsprechend neu zu definieren und zu dokumentieren. Darüberhinaus wird durch einen externen professionellen Change-Management-Berater die Begleitung der Projektplanung und –abwicklung gewährleistet.

Die Umsetzung eines emanzipatorischen Pflegekonzeptes erfordert in ihrer Konsequenz Partizipationsmöglichkeiten in den Veränderungssprozessen, sowohl bereits in der Gestaltung und Festlegung der Projektziele und –abläufe als auch im Forschungsprozess. In Workshops mit den Mitarbeiter_innen, Gesprächen mit Angehörigen, Gesprächsgruppen mit Bewohner_innen, in Einbezug der Bewohner_innenvertretungen, im Rahmen kommunikativer Validation von Ergebnissen und der Etablierung von gemeinsamen Reflexionsräumen. Gemeinsam mit den Mitarbeiter_innen der Diakonie wurde ein eigenes Fortbildungsprogramm entwickelt, das neben fachlichen Inhalten auch Supervision und Möglichkeiten zur Selbstreflexion beinhaltet.

Kontakt:

Mag.a Christine Leyroutz

DGKS Sonja Wieser, MEd BA

Dr.in Irene Strasser

 

Beginn
Ende
Projektpartner

Diakonie de La Tour Kärnten, Nussbaum Demenzkompetenzzentrum